Afrikanische Union gegen frauenfeindliche Traditionen
Hunderttausende afrikanische Frauen und Mädchen leiden unter den Folgen schädlicher traditioneller Praktiken. Weibliche Genitalverstümmelung, Kinderheirat und Witwenriten sind nur die bekanntesten dieser Traditionen. Sie können Formen drastischer brutaler physischer und psychischer Gewalt darstellen und zählen zu „verborgenen“ Menschenrechtsverletzungen. Trotzdem findet das Thema in der internationalen Gemeinschaft bisher nicht die Aufmerksamkeit, die für einen Wandel nötig wäre. Dies mag vor allem daran liegen, dass es sich um einen kultursensiblen Bereich handelt - die Mehrheit der Praktiken existiert seit Jahrhunderten und wird in den jeweiligen Gemeinschaften nicht nur weithin respektiert, sondern auch als essentieller Bestandteil der eigenen kulturellen Identität angesehen. Wer sich mit dem Thema schädliche traditionelle Praktiken auseinandersetzt, darf deshalb nicht auf allzu schnelle Erfolge hoffen.
Wie also lassen sich kulturelle Grundhaltungen mit negativen Auswirkungen für Frauen und Mädchen verändern, um so die Lebenswirklichkeit kommender Generationen zum Positiven zu beeinflussen? Wie können Menschenrechtsverletzungen beendet werden, die seit Jahrhunderten tagtäglich im Namen der Tradition verübt werden?
Die Kommission der Afrikanischen Union
(AU) hat einen entscheidenden Schritt getan, um sich dieser Herausforderung zu
stellen. „Wir müssen uns mit unserem kulturellen Erbe auseinandersetzen, im
Guten, wie im Schlechten“, erklärt AU Kommissarin Bience Gawanas,
Hauptinitiatorin der AU-Konferenz „Celebrating Courage and Overcoming Harmful
Traditional Practices“, die vom 5. bis 7. Oktober 2011in Addis Abeba, Äthiopien, stattfand. Höhepunkt der pan-afrikanischen Konferenz
war die Verabschiedung des „Framework for Action on Harmful Traditional
Practices“, in dem sich die AU verpflichtet, dem Thema im Rahmen ihrer
politischen Agenda höchste Aufmerksamkeit zu widmen und zusätzlich insbesondere
zivilgesellschaftliche Organisationen in ihrem Kampf gegen schädliche
Traditionen zu unterstützen.
Ein Schwerpunkt wird dabei die Stärkung der Rechtsposition von Frauen und Mädchen sein: In kontinentweiten Informationskampagnen sollen Mädchen und Frauen über ihre formalen Rechte informiert werden und nicht zuletzt darüber, wie sie diese Rechte verbindlich einfordern können. „Ich weiß, dass wir schädliche traditionelle Praktiken überwinden können“, teilte AU Kommissarin Bience Gawanas zum Ende der Konferenz mit, „wir müssen nur endlich unseren Worten Taten folgen lassen.“
Weitere Informationen zur AU-Konferenz „Celebrating Courage and Overcoming Harmful Traditional Practices“ und zum Framework for Action unter http://www.celebcourage.org und http://www.africa-union.org






