DROI beschäftigt sich mit Feminiziden
Frauenmorde sind die stärkste Form der geschlechtlich motivierten Diskriminierung und leider immer häufiger in der heutigen Gesellschaft zu finden. Feminizid wird definiert als die Tötung von Frauen allein wegen ihres Geschlechts. Dieses Phänomen tritt wohl insbesondere in Ländern auf, in denen Diskriminierung und Menschenrechtsverletzungen auch generell an der Tagesordnung sind und kann zurückgeführt werden auf ein rückständiges Rollenverständnis.
Insbesondere in Lateinamerika ist die Zahl der Frauenmorde in den letzten Jahren bedenklich gestiegen. Obwohl immer mehr Organisationen versuchen, auf diese Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen und weitere Vorkommnisse dieser Art zu verhindern, ist die Tendenz zu Verbrechen an Frauen besorgniserregend gestiegen. Während in der mexikanischen Stadt Ciudad Juárez 1993 im Durchschnitt jeden zwölften Tag eine Frau getötet wurde, wird heute schon alle 20 Stunden ein Mord verzeichnet[1].
Dieses Thema wurde in unserer Sitzung des Menschenrechtsausschusses des EP (DROI) vom 4. Oktober 2011 ausführlich debattiert. Wichtigste Frage war, wie weit die Bemühungen zu einer Verbesserung der Situation in Lateinamerika fortgeschritten sind, und was speziell das Europäische Parlament noch tun kann. Trotz entsprechenden Gesetzen, die eigentlich den Schutz der Frauen gewähren müssten, geht die Diskriminierung stetig voran.
Ska Keller, die vor kurzem an einer Delegation nach Mexiko teilgenommen hat, argumentiert, es mangele nicht an Untersuchungen oder Ideen zur Verbesserung der Lage, sondern schlicht und einfach den der Umsetzung von Maßnahmen. Oswaldo Ruiz, ehemaliger Anwalt am Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte, bestätigt dies und fügt hinzu, dass der mexikanische Staat seinen Verpflichtungen nicht gebührend nachgekommen sei.
Solche Probleme lassen sich in vielen lateinamerikanischen Staaten erkennen. In manchen Ländern wird Feminizid sogar von der Regierung geduldet und führt nicht selten dazu, dass die Täter ungestraft davonkommen. Hierfür gibt es mehrere Gründe. Den Ländern fehlt es an ausreichend Personal und Institutionen, die für die Untersuchung solcher Fälle verantwortlich sind. Hinzu kommt, dass viele Angestellte nur über ein rückständiges Bewusstsein bezüglich Geschlechtergleichheit verfügen. Schon in der Erziehung und Ausbildung lassen sich also die grundlegenden Schwierigkeiten erkennen. Ein wichtiger Ansatzpunkt wäre demnach, eine ausgeprägtere Aufklärung und entsprechende Seminare zu fördern, die die Bedeutung der Menschenrechte begreiflich machen. Damit sollte schon in der Schule und auf der Universität begonnen werden. Neben entsprechenden Präventivmaßnahmen ist es aber genauso wichtig, dass sich ausreichend um die Opfer dieser Gewaltverbrechen und deren Angehörige gekümmert wird. Dementsprechend wurde auf der DROI-Sitzung die Dringlichkeit betont, die betroffenen Familien medizinisch und psychologisch ausreichend zu versorgen.
Auch, wenn sich diese Sitzung des Menschenrechtsausschusses vornehmlich mit Frauenmorden in Lateinamerika beschäftigt hat, ist es wichtig zu betonen, dass Feminizid auf der ganzen Welt ein akutes Problem darstellt. Sowohl die Regierungen dieser Länder als auch die EU müssen also dringend weitere Schritte tun, um die hohe Anzahl von Morden an unschuldigen Frauen zu verhindern. Da es gewisse Richtlinien und Vorgaben gibt, besteht jetzt die wichtigste Aufgabe darin zu kontrollieren, ob diese auch regelgerecht umgesetzt werden, um so die ansässigen Organisationen in ihren Kampf gegen diese grausamen Verbrechen zu unterstützen.






